Um eine geplante Bergtour so richtig genießen zu können, sollte man auf jeden Fall die Empfehlungen des Österreichischen Apenvereins beherzigen.


1. Gesund in die Berge
Bergwandern ist Ausdauersport. Die positiven Belastungsreize für Herz und Kreislauf setzen Gesundheit und eine realistische Selbsteinschätzung voraus.
Vermeide Zeitdruck und wähle das Tempo so, dass niemand in der Gruppe außer Atem kommt.
Michael Larcher, Leiter des Bergsportreferats im Alpenverein dazu: „Man sollte der Versuchung widerstehen, zu ehrgeizige Ziele allzu voreilig anzugehen.
Ungeübte sollten die Latte bewusst tiefer ansetzen und bei einer leichten Wanderung ausprobieren, wie es ihnen im neuen Terrain ergeht.
Für fast die Hälfte aller Notsituationen beim Bergwandern sind nämlich Herz-Kreislauf-Beschwerden verantwortlich.“


2. Sorgfältige Planung
Wanderkarten, Führerliteratur, Internet und Experten informieren über Länge, Höhendifferenz, Schwierigkeit und die aktuellen Verhältnisse.
Touren immer auf die Gruppe abstimmen. Achte besonders auf den Wetterbericht, da Regen, Wind und Kälte das Unfallrisiko erhöhen.

Achtung Blitzschlag! „Rechtzeitig umkehren ist die Devise. Und falls einen das Gewitter doch überrascht, heißt es richtig reagieren:
exponierte Orte (auch Felswände und Klettersteige!) schnell verlassen, Schutz suchen und in die Hocke gehen, um möglichst wenig
Angriffsfläche zu bieten“, empfiehlt Bergsportreferent Larcher.


3. Vollständige Ausrüstung
Passe deine Ausrüstung deiner Unternehmung an und achte auf ein geringes Rucksackgewicht. Regen-, Kälte- und Sonnenschutz gehören
immer in den Rucksack, ebenso Erste-Hilfe-Paket und Mobil­tele­fon (Euro-Notruf 112). Karte oder GPS unterstützen die Orientierung.

 Michael Larcher ergänzt: „Je nach Länge der Tour können auch ein Biwaksack oder eine Stirnlampe erforderlich sein.
Gerade bei Einbruch der Dunkelheit oder einem plötzlichen Wolkenbruch können sie lebensrettend sein.“


4. Passendes Schuhwerk
Gute Wanderschuhe schützen und entlasten den Fuß und verbessern die Trittsicherheit! Achte bei deiner Wahl auf perfekte Passform,
rutschfeste Profilsohle, Wasserdichtigkeit und geringes Gewicht.
Zusätzlicher Tipp vom Bergsport-Experten: „Beim Kauf unbedingt Zeit nehmen und die Schuhe mit eigenen, bereits ‚eingewanderten‘ Socken anprobieren.
Ein bequemer Leichtwanderschuh ist einem schweren ‚Bock‘ mittlerweile sicher vorzuziehen.“


5. Trittsicherheit ist der Schlüssel
Stürze, als Folge von Ausrutschen oder Stolpern, sind die häufigste Unfallursache! Beachte, dass zu hohes Tempo oder Müdigkeit
deine Trittsicherheit und Konzen­tration stark beeinträchtigen. Achtung Steinschlag: Durch achtsames Gehen vermeidest du das Lostreten von Steinen.
„Wer nach einer zu schwierigen Wanderung keine Reserven mehr für den Abstieg hat, wird unachtsam – die Gefahr eines Sturzes steigt dramatisch.
Vom Körperbau her ist der Mensch für den Aufstieg besser geeignet. Dieselbe Passage ist im Abstieg weitaus schwieriger.
Abwärts zu steigen ist aber nicht nur motorisch anspruchsvoller, durch den Tiefblick kommt auch noch eine psychologische Komponente dazu.
Das sollte man bereits bei der Tourenplanung bedenken“, empfiehlt Larcher.


6. Auf markierten Wegen bleiben
Im weglosen Gelände steigt das Risiko für Orientierungsverlust, Absturz und Steinschlag. Vermeide Abkürzungen und kehre zum letzten
bekannten Punkt zurück, wenn du einmal vom Weg abgekommen bist. Häufig unterschätzt und sehr gefährlich: Steile Altschneefelder!
Der Alpenvereins-Experte warnt vor den glatten Schneefeldern: „Dass bereits flache Schneehänge mit einer Neigung von 30 Grad ein Absturzrisiko bergen können,
ist sehr vielen Berggehern nicht bewusst. Optisch laden die Schneefelder zum sorglosen Überqueren ein – aber wenn man ausrutscht,
kann man kaum mehr bremsen. Ein Wanderweg, der in ein steiles Altschneefeld mündet, kann Grund genug sein, eine Tour abzubrechen.“
Es sei außerdem ein immer wiederkehrendes Muster, dass Wanderer kurz vor ihrem Unfall ‚noch schnell‘ eine Abkürzung gehen wollten.
„Die ‚gesparte‘ Zeit oder Wegstrecke steht oft in keinem Verhältnis zum Risiko“, betont Larcher.


7. Regelmäßige
Rechtzeitige Rast dient der Erholung, dem Genuss der Landschaft und der Geselligkeit.
Essen und Trinken sind notwendig, um Leistungsfähigkeit und Konzentration zu erhalten. Isotonische Getränke sind ideale Durstlöscher.
Müsliriegel, Trockenobst und Kekse stillen den Hunger unterwegs.


8. Verantwortung für Kinder
Beachte, dass Abwechslung und spielerisches Entdecken für Kinder im Vorder­grund stehen! Passagen mit
Absturzrisiko erfordern eine 1:1 Betreuung durch Erwachsene. Sehr ausgesetzte Touren, die lang anhaltende Konzentration erfordern, sind für Kinder nicht geeignet.
„Kinder haben beim Wandern andere Bedürfnisse als Erwachsene und die sollten wir auch über alles stellen.
Ein Schneckenhaus am Wegesrand kann dann eben weitaus spannender sein als ein anstrengender Marsch auf den Gipfel“, so Larcher.


9. Kleine Gruppen
Kleine Gruppen gewährleisten Flexibilität und ermöglichen gegenseitige Hilfe. Vertraute Personen über Ziel, Route und Rückkehr informieren.
In der Gruppe zusammen bleiben. Achtung Alleingänger: Bereits kleine Zwischenfälle können zu ernsten Not­­lagen führen.
Michael Larcher von OeAV: „Eine Gruppengröße von zwei bis sechs Personen, die aufeinander Rücksicht nehmen, ist ideal.
Wer allein geht, sollte ein aufgeladenes Handy mit dabei haben, um zumindest in Gegenden mit Netzempfang im Notfall Hilfe rufen zu können.“


10. Respekt für die Natur
Zum Schutz der Bergnatur: Keine Abfälle zurücklassen, Lärm vermeiden, auf den Wegen bleiben, Wild- und Weidetiere nicht beunruhigen, Pflanzen
unberührt lassen und Schutz­gebiete respektieren. Zur Anreise öffentliche Verkehrsmittel verwenden oder Fahrgemeinschaften bilden.


(Österreichische Alpenverein)